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1. Meine Vision ,,Zeit für Honig”

  • meine Kindheit
  • Bild vom Kind
  • mein Erziehungsauftrag
  • Handlungsbedarf
  • meine Antwort
  • neue Pläne

Meine Kindheit

„Zweierlei hatten wir, das unsere Kindheit zu dem gemacht hat, was sie gewesen ist

Geborgenheit und Freiheit.“ Astrid Lindgren 

Hineingeboren wurde ich in eine große, liebevolle Familie, die aus meinen drei Brüdern, meinen Eltern und meinen Großeltern bestand. Tatsächlich wohnten wir alle zusammen, in einem großen fröhlichen, gelben Haus, mit offenen Türen und Fenstern, mitten auf dem Land. Umgeben von Wasser, Wald und Wiesen, wurde die Natur zu meinem Kinderzimmer und besonders unser herrlicher Garten, zu meinem ganz eigenen   Reich. Ungestört und unbeobachtet habe ich mir dort meine Welt im zeitvergessenen Spiel erobert und Spuren hinterlassen, die mich bis heute prägen. Genauso wie all die liebevollen Menschen, meiner Familie, die mich immer umgaben und von denen sich stets jemand Zeit für uns Kinder nahm. 

Viel Zeit für Honig 

hatten besonders meine Großeltern, die nicht müde wurden uns Honigbrote zu schmieren, Geschichten zu erzählen und uns mit unendlicher Geduld erlaubten, alle unsere Spielideen auch innerhalb ihrer Vier Wände auszuleben. Da wurden Höhlen durchs ganze Zimmer gebaut, mit dem Inhalt der Vorratskammer Wochenmarkt gespielt, und für die Inszenierung der Weihnachtsgeschichte überall Requisiten zusammen gesucht und entfremdet. Und egal bei welcher Arbeit sie selbst gerade waren, sie legten alles beiseite, um sich unsere eingeübten Kunststücke und Theaterspiele anzusehen oder die Umsetzung unsere Ideen tatkräftig zu unterstützen. Fast noch schöner war es aber, dass wir uns immer auch an ihrem Tun beteiligen und mithelfen durften. Mit Oma gemeinsam kochen, nähen und bügeln und mit Opa in der Werkstatt, nach Lösungen suchen, Dinge reparieren und Ideen umsetzen, schien mir das größte Glück der Welt zu sein. Im Garten bekam ich sogar mein eigenes kleines Beet von ihm und lernte es zu bepflanzen und zu umsorgen. Und so wuchs auch ich geborgen und umsorgt auf, in der Freiheit ich selbst zu sein und zu werden, was sich so in mir verbirgt. 

„Und so spielten wir und spielten und spielten, sodass es das reine Wunder war, dass wir uns nicht todgespielt haben “Astrid Lindgren

Ob als Zirkusfamilie oder Räuberbande, wir zogen in die Welt hinaus. Wir fanden die besten Verstecke, bauten Baumhäuser und Staudämme am Bach, kochten Blumensuppen und verbrachten Stunden damit, auf Bäume zu klettern und dort oben sitzend zu träumen und Pläne zu schmieden. Rennen, fangen, hinfallen und wieder aufstehen. Aufgeschlagene Knie und blaue Flecken hatte jeder von uns. Und es lauerten überall Gefahren. Der Wald war voll von giftigen Beeren, Brennnesseln und Fliegenpilz und im Garten saßen die Bienen im Klee und die Rosenhecken griffen nach einem, wenn man zu knapp an ihnen vorbeilief. Aber als Naturforscher wussten wir bescheid und waren auf alles vorbereitet. Nur hatten wir keine Zeit uns zu sorgen, oder zu ängstlich zu sein. Zu viel Neues gab es zu entdecken, mit alle den Kinder, die man überall traf. Auf der Straße, am Zaun, auf den Wiesen begegneten wir uns und wenn wir uns zum ersten mal sahen und erahnten, Gleichgesinnte zu treffen, dann schien sich unsere Freude darüber manchmal zu überschlagen und unsere Möglichkeiten und Ideen schienen einfach grenzenlos zu sein. Genauso wie die Freiheit ein Kind sein zu dürfen. Wild, frei und wunderbar war dieses Leben. Und all dieses Er-leben und Er-fahren und die Gefühle, die wir dabei hatten, haben sich tief eingebrannt in uns. Natürlich gab es auch mal Ärger, Streit und Ratlosigkeit, wenn Spielfreunde nicht mehr mit einem Spielen wollten, oder plötzlich Langeweile aufkam. Da mussten wir dann selbst eine Lösung finden, denn unsere Eltern wären nicht auf die Idee gekommen, sich in unseren Streit oder unser Spiel einzumischen, oder uns ständig zu beobachten und erst recht nicht zu bespielen. Aber sie waren immer für uns da, wenn wir Rat und Hilfe brauchten und teilten voller Freude ihre Begeisterung am Leben mit uns.

„Gewiss wurden wir in Zucht und Gottesfurcht erzogen, so wie es dazumal Sitte war, aber in unseren Spielen waren wir herrlich frei und nie überwacht“ Astrid Lindgren

Auch Freisein hatte seine Regeln, welche uns in Liebe und Vertrauen aber niemals einschränkten, sondern einen schützenden Rahmen gaben und ein Bewusstsein schafften, für den Umgang miteinander und mit allem was uns umgab. Und das war in erster Linie die Sinnhaftigkeit des Lebens, welche so greifbar, so nah und so echt war, wie die Herzenswärme und Geborgenheit die meine Mama ausstrahlte und die Abenteuerlust und Freude am Leben, die meinen Papa umgab. Ihre gelebten Werte haben meine Überzeugungen und meinen Blick auf die Welt geprägt und mir neben festen Wurzeln, Flügel geschenkt, die mich mein Leben lang tragen werden.  

„Fragt mich aber jemand nach meinen Kindheitserinnerungen, dann gilt mein erster Gedanke trotz allem nicht den Menschen, sondern der Natur. Sie umschloss all meine Tage und erfüllte sie so intensive, dass man es als Erwachsener gar nicht mehr fassen kann.“ Astrid Lindgren